Altbischof Huber und Jurist Kirchhoff rügen Auswüchse am Finanzmarkt

epd-Logo Frankfurt a.M. (epd). Altbischof Wolfgang Huber und der Staatsrechtler Paul Kirchhof haben Auswüchse am Finanzmarkt gerügt und deren Begrenzung befürwortet. Mit sogenannten Termingeschäften könne viel Geld verdient werden, wenn man auf den Niedergang eines Staates setze, sagte Kirchhof am Mittwochabend in Frankfurt am Main. Der Ex-Verfassungsrichter fügte hinzu: "Das gehört sich nicht." Der Theologieprofessor Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), kritisierte auch Finanzmarktspekulationen, die sich auf den Aktienkurs eines Unternehmens oder die Knappheit von Lebensmitteln richten und damit die Ärmsten träfen.

Huber und Kirchhof sprachen bei einer Veranstaltung der Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Thema "Das Ende der Institutionen?" Kirchhof fragte: "Welches Bedürfnis eines anderen Menschen hat der befriedigt, der sein Geld durch Spiel und Wette erzielt hat?" Die Dominanz des Marktes könnte langfristig die Idee des Privateigentums zerstören.

An die Kirchen richtete der Katholik Kirchhof die Erwartung, dass sie sich zur Finanzmarktkrise öffentlich äußerten; "Unseren Kirchen gelingt es nicht, mit hinreichender Deutlichkeit in die Öffenhtlichkeit zu reden, um das Gottvertrauen in die gegenwart zu dolmetschen." Zu den Kernaufgaben der Kirchen gehöre es, Maßlosigkeit anzuprangern. Der weltanschaulich neutrale Staat sei auf Religion und Kirche angewiesen, da er selbst die Sinnfrage nicht beantworten dürfe, argumentierte der Verfassungsjurist.

Für die Schuldenkrise machte der Berliner Altbischof Huber auch ein gesellschaftliches Klima verantwortlich, das von dem Auseinanderklaffen von Erwaltungshaltung und Beteiligungswillen geprägt sei. Steuersenkungen bei gleichzeitig höheren staatlichen Leistungen sei allen recht gewesen. "Wir leben in einer Kultur des schnellen Geldes" und der Profitabilität, sagte der Sozialethiker. Dagegen empfahl er, die dienende Rolle des Geldes wieder stärker in Erinnerung zu bringen. Angesichts des verbreiteten Lamentierens über Krisenphänomene warnte Huber vor Kleinmütigkeit und erinnerte die Herausforderungen, denen sich die Bevölkerung nach dem Kriegsende und der Wiedervereinigung gegenübergesehen hätten.

26. Januar 2012

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